4.6 Klammerheftungen mit hohem Umfang

Möchten Sie eine klammergeheftete Broschüre mit mehr als 48 Seiten produzieren, müssen Sie in Ihrem Layout den Bundzuwachs berücksichtigen.

Was ist der Bundzuwachs?

Bei klammergehefteten Broschüren werden die Seiten zusammengetragen, gefalzt, geklammert und anschließend auf das Endformat beschnitten. Abhängig vom Seitenumfang und der Papierstärke drängen Seiten in der Broschürenmitte beim Falzen nach außen. Beschneidet die Druckerei eine Broschüre auf das Endformat (nachdem sie gefalzt und geklammert wurde), so werden diese Seiten folglich kürzer.

Außenränder werden schmaler und grafische Elemente, die nah am Rand stehen, im schlimmsten Fall sogar angeschnitten.

Beispiel:
Eine 68-seitige Broschüre mit 135 g/m2 hat einen maximalen Bundzuwachs von 2,3 mm. D. h. nachdem die Inhaltsbögen gefalzt wurden, werden die mittleren Seiten um 2,3 mm nach außen verdrängt und nach dem Beschnitt um 2,3 mm kürzer.


Die Druckbögen werden ineinandergesteckt.


Die ineinandergesteckten Druckbögen werden beschnitten.


Der Rand von Seiten in der Broschürenmitte wird schmaler.

Umgang mit dem Bundzuwachs

Folgendermaßen können Sie auf den Bundzuwachs reagieren:

Variante 1: Genügend Rand lassen

Wenn es Sie nicht stört, dass die Außenränder zur Broschürenmitte hin schmaler werden, müssen Sie nur darauf achten, dass wichtige Seiteninhalte nicht zu nah an den Außenkanten platziert werden.

Effekt:
+ Innenränder bleiben gleich
– Außenränder werden zur Broschürenmitte hin schmaler

Variante 2: Satzspiegel verschieben

Möchten Sie, dass alle Außenränder immer dieselbe Breite haben, können die meisten Druckereien den kompletten Seiteninhalt automatisch nach innen verschieben. Wird der linke Außenrand einer Seite aufgrund des Bundzuwachses um 2 mm kürzer, wird deren Seiteninhalt zum Ausgleich um 2 mm nach rechts verschoben. Schön an dieser Methode ist, dass insbesondere Seitenzahlen immer denselben Abstand zur Außenkante haben.

Effekt:
+ Außenränder bleiben gleich
– Innenränder werden zur Broschürenmitte hin schmaler

Problemfall überlaufende Bilder

Beinhaltet Ihr Layout Bilder, die über den Bund (Grenze zwischen zwei Seiten) laufen, kann der Bundzuwachs nicht mehr automtisch korrigiert werden.

Verschiebt die Druckerei die linke Bildhälfte um 3 mm nach rechts und die rechte Bildhälfte um 3 mm nach links, würde im Bund ein 6 mm breiter Bildstreifen fehlen. In diesem Fall müssen Sie die Seiteninhalte manuell versetzen.

Variante 3: Ränder vergrößern

Da die Außenränder durch den Bundzuwachs zur Broschürenmitte hin kleiner werden, können Sie diese zum Ausgleich im Layout schrittweise vergrößern. Beträgt der Bundzuwachs einer linken Seite 3 mm, erweitern Sie einfach den linken Seitenrand um 3 mm. Nachteilig an der Methode ist, dass die Breite des Satzspiegels zur Broschürenmitte hin abnimmt. Dafür haben Sie immer dieselben Seitenränder, was besonders bei Layouts mit Rahmen gewünscht sein kann.

Effekt:
+ Außenränder und Innenränder bleiben gleich
– Satzspiegelbreite nimmt ab

Zeitaufwand und Screen-PDFs beachten

Bei Aufträgen mit kleinem Budget und/oder knapper Deadline können Sie nicht alle Seiten von Hand verschieben. Das wäre schlichtweg zu aufwändig. Bedenken Sie auch, dass Sie im Fall von Screen-PDFs zwei Versionen benötigen. Deshalb kommt hier nur Variante 1 und – sofern sich keine überlaufenden Bilder in Ihrem Layout befinden – Variante 2 in Frage.

Bundzuwachs messen / messen lassen

Den Wert für den maximalen Bundzuwachs erfahren Sie von Ihrer Druckerei. Diese wird ein Blindmuster mit dem späteren Auflagenpapier erstellen und den Bundzuwachs abmessen. Alternativ kann der Bundzuwachs auch mit einer Formel berechnet werden. Diese Methode ist allerdings nicht so genau wie ein Blindmuster.

Bundzuwachs für Einzelseiten berechnen

Wenn Sie den Bundzuwachs in Ihrem Layout manuell ausgleichen möchten, müssen Sie zuerst berechnen, um wie viel Millimeter Sie den Inhalt auf jeder Unterseite verschieben müssen. Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft die Berechnung bei einer Broschüre mit 68 Seiten und einem maximalen Bundzuwachs von 2,3 mm.

(1) Papierbögen

In der ersten Spalte listen Sie die Papierbögen Ihrer Broschüre auf. Da nur die Innenseiten vom Bundzuwachs betroffen sind, zählen Sie den Umschlag nicht mit. Ein Papierbogen besteht aus 4 Seiten. Die 64 Innenseiten einer 68 Seiten starken Broschüre bestehen also aus 16 Bögen (64 Innenseiten : 4 = 16 Bögen).

(2) Seitenzahlen / Bogen

In der zweiten Spalte tragen Sie die Seitenzahlen aufsteigend in 2er Schritten ein. Sie beginnen beim ersten Bogen, die Umschlagzeile bleibt unberücksichtigt. Führen Sie die Eintragung der Seitenzahlen in der dritten Spalte von unten nach oben fort. So sehen Sie, welche Seiten zu welchem Bogen gehören.

(3) Bundzuwachs pro Bogen

In die vierte Spalte kommt der Bundzuwachs für jeweils einen Papierbogen.
Den Bundzuwachs des ersten Bogens berechnen Sie wie folgt:

Seitenzahl ohne Umschlag : 4 = Gesamtbogenzahl
Maxmimaler Bundzuwachs : Gesamtbogenzahl = Bundzuwachs 1. Bogen

In unserem Beispiel bedeutet das:
64 Seiten : 4 = 16 Papierbögen
2,3 mm : 16 Papierbögen = 0,14375 mm ≈ 0,14 mm

Der erste Papierbogen ragt also 0,14 mm aus dem Umschlag heraus, der zweite Bogen um den doppelten Wert (0,28 mm), der dritte um den dreifachen Wert (0,42 mm), der vierte um den vierfachen Wert (0,56 mm) usw.

(4) Bundzuwachs von 4 Bögen

Da es sehr aufwändig wäre, jeden Bogen mit einem eigenen Wert zu korrigieren, fasst man mehrere Bögen zusammen. So können Sie jeweils 4 Bögen mit demselben Wert korrigieren:

Bögen 1 – 4 mit dem vierfachen Wert (0,14 mm ∙ 4 = 0,56 mm)
Bögen 5 – 8 mit dem achtfachen Wert (0,14 mm ∙ 8 = 1,12 mm)
Bögen 9 – 12 mit dem zwölffachen Wert (0,14 mm ∙ 12 = 1,68 mm)
Bögen 13 – 16 mit dem sechzehnfachen Wert (0,14 mm ∙ 16 = 2,24 mm)

In der Beispieltabelle bestehen die Bögen 1 – 4 aus den Seiten 1 – 8 sowie 57 – 64. Bei diesen Seiten müssten Sie den Satzspiegel um 0,56 mm Richtung Bund verschieben oder den Außenrand um 0,56 mm vergrößern.