3.10 Separationsvorschau

Mit der Separationsvorschau kontrollieren Sie, ob grafische Elemente in Ihrem Layout überdrucken oder aussparen und wie diese farblich aufgebaut sind.

Weiße Elemente dürfen NICHT überdrucken

Im Gegensatz zu neuen InDesign-Dokumenten können Illustrator-Dokumente (EPS- oder AI-Dateien) weiße Elemente enthalten, die auf Überdrucken stehen. Dies birgt ein großes Risiko. Steht ein weißes Element auf Überdrucken, vermischt es sich mit der darunterliegenden Fläche und verschwindet.

Falls Sie mit InDesign CS4 oder neueren Versionen arbeiten, können Sie diese Elemente mit dem integrierten Preflight ausfindig machen. Falls nicht, müssen Sie alle verknüpften EPS- und AI-Dateien manuell prüfen:

  1. Öffnen Sie das EPS- oder AI-Dokument in Illustrator.
  2. Aktivieren und deaktivieren Sie abwechselnd die Überdruckenvorschau
    (Menü > Ansicht > Überdruckenvorschau | Shortcut Mac: »cmd + Alt + Shift + y« | Shortcut Windows: »Strg + Alt + Shift + y«).
  3. Verschwindet ein weißes Element bei aktivierter Überdruckenvorschau, steht es auf Überdrucken.
  4. Markieren Sie das entsprechende Element und öffnen Sie die »Attribute« unter »Menü > Fenster > Attribute«.
  5. Deaktivieren Sie den Haken bei »Fläche überdrucken« bzw. »Kontur überdrucken«.

Feine schwarze Elemente auf farbigem Grund überdrucken

Feine schwarze Elemente auf einer farbigen Fläche sollten auf Überdrucken stehen. Wird der Schwarzkanal leicht versetzt gedruckt, kann es sonst passieren, dass die darunterliegende (ausgesparte) weiße Fläche sichtbar wird. Diese weißen Stellen werden auch »Blitzer« genannt.


Falsch: Der Buchstabe »A« spart den blauen Untergrund aus (links).
Bei Druckschwankungen kann es zu Blitzern kommen (rechts).


Richtig: Der Buchstabe »A« überdruckt den blauen Untergrund (links).
Blitzer können bei Druckschwankungen nicht mehr entstehen (rechts).

Überdrucken prüfen

Ob schwarze Objekte überdrucken, prüfen Sie mit der Separationsvorschau:

  1. Öffnen Sie die Separationsvorschau (Menü > Fenster > Ausgabe > Separationsvorschau) und wählen Sie unter Ansicht den Punkt »Separationen«.
  2. Klicken Sie auf den Schwarzkanal und blenden Sie ihn abwechselnd ein und aus. Flächen unter den schwarzen Texten/ Elementen dürfen nicht ausgespart werden.

Flächen oder Konturen auf Überdrucken stellen

  1. Öffnen Sie das Attribute-Fenster (Menü > Fenster > Ausgabe > Attribute).
  2. Markieren Sie das grafische Element und setzen Sie im Attribute-Fenster einen Haken bei »Fläche überdrucken« und/oder »Kontur überdrucken«.

Feine schwarze Elemente bestehen aus reinem Schwarz

Grafiken mit feinen schwarzen Elementen, die aus allen 4 Farbkanälen aufgebaut sind, werden Ihnen in der Praxis regelmäßig begegnen. Häufig handelt es sich um Baupläne, technische Zeichnungen, Grafiken aus Office-Dokumenten oder fehlerhaft angelegte Illustrator-Dokumente.

Die Problematik solcher Grafiken ist folgende: Eine schwarze Linie, die bunt aufgebaut ist, besteht im Grunde genommen aus 4 Linien, jeweils mit der Farbe Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz. Diese werden bei der Produktion deckungsgleich übereinander gedruckt. Kommt es im Druckverlauf zu leichten Verschiebungen (Passerungenauigkeiten), kann es passieren, dass die Linien nicht mehr exakt übereinander liegen. Das Ergebnis sehen sie im folgenden Beispiel:


Eine bunt aufgebaute schwarze Linie 


Bei Druckverschiebungen können bunte Bestandteile der Linie sichtbar werden

So erkennen Sie buntes Schwarz

  1. Öffnen Sie die Separationsvorschau (Menü > Fenster > Ausgabe > Separationsvorschau) und wählen Sie unter »Ansicht« den Punkt »Separationen«.
  2. Klicken Sie auf den Schwarzkanal und blenden Sie ihn aus. Schwarze Objekte, die trotz des ausgeblendeten schwarzen Farbkanals noch sichtbar bleiben, sind bunt aufgebaut. Wandeln Sie diese Objekte in reines Schwarz um.

Überdrucken von Sonderfarben (z. B. Gold) absprechen

Möchten Sie schwarzen Text oder schwarze Elemente auf eine Sonderfarben-Fläche drucken, müssen Sie mit der ausführenden Druckerei abklären, ob Schwarz die Sonderfarbe überdrucken oder aussparen soll. Da diese Entscheidung in der Praxis von vielen drucktechnischen Parametern abhängig ist, sollten Sie diesbezüglich immer mit Ihrem Druckdienstleister Rücksprache halten.

Veredelungen und Stanzformen stehen auf Überdrucken

Mit der Separationsvorschau können Sie überprüfen, ob Veredelungen oder Stanzformen als Sonderfarbe angelegt wurden und den Untergrund überdrucken.

  1. Öffnen Sie die Separationsvorschau (Menü > Fenster > Ausgabe > Separationsvorschau) und wählen Sie unter »Ansicht« den Punkt »Separationen«.
  2. Wurde die Veredelung/Stanzform mit einer Sonderfarbe angelegt, erscheint hier ein neuer Farbkanal mit der Bezeichnung der Sonderfarbe. Klicken Sie auf diesen Farbkanal und blenden Sie ihn abwechselnd ein und aus. Flächen unter der Veredelung/Stanzform dürfen nicht ausgespart werden.

Veredelung/Stanzform auf Überdrucken stellen

  1. Öffnen Sie das Attribute-Fenster (Menü > Fenster > Ausgabe > Attribute).
  2. Markieren Sie die Veredelung/Stanzform und setzen Sie im Attribute-Fenster einen Haken bei »Fläche überdrucken« und/oder »Kontur überdrucken«.

Details zu Veredelungen und Stanzformen finden Sie im Kapitel »Technische Spezialfälle«.

Maximalen Farbauftrag prüfen

Der maximale Farbauftrag unterscheidet sich je nach Druckverfahren, Druckmaschine und verwendetem Papiertyp. Deshalb müssen Sie diesen vorab bei Ihrer Druckerei erfragen (siehe Kapitel »Projektvorbereitung«).

Beachten Sie, dass bei Overnight- und Expresslieferungen häufig nur ein verringerter Farbauftrag möglich ist. Ein verringerter Farbauftrag ermöglicht kurze Trocknungszeiten und damit eine zügige Weiterverarbeitung der Drucksache. Halten Sie diesbezüglich Rücksprache mit Ihrer Druckerei.

In InDesign können Sie sich einen zu hohen Farbauftrag anzeigen lassen:

  1. Öffnen Sie die Separationsvorschau (Menü > Fenster > Ausgabe > Separationsvorschau) und wählen Sie unter »Ansicht« den Punkt »Farbauftrag«.
  2. Im Prozentwertfeld geben Sie den maximalen Farbauftrag ein, welchen Ihnen Ihre Druckerei genannt hat.
  3. Texte, Grafiken und Bilder, die einen höheren Farbauftrag aufweisen, werden auf der Seite farblich hervorgehoben.

Worum handelt es sich beim maximalen Farbauftrag?

Bei farbigen Bildmotiven werden dunkle Bildstellen in der Regel aus den 4 Farbkanälen Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz aufgebaut. Jeder Farbkanal kann 0 – 100 % betragen. In der Theorie würde der dunkelste Punkt aus den folgenden Werten bestehen:

100 % Cyan
100 % Magenta
100 % Gelb
100 % Schwarz

Eine Bildstelle mit diesen Farbwerten hat einen Gesamtfarbauftrag von 400 %.

Im Offsetdruck führt ein Farbauftrag von 400 % jedoch zu übermäßig langen Trocknungszeiten. Auch können dünne und ungestrichene Papiere nur eine gewisse Menge an Farbe aufnehmen, ehe die Farbe bis zur Rückseite durchschlägt. Deshalb geben Druckereien den maximalen Farbauftrag für das jeweilige Druckverfahren in der Regel vor.